Blitzumfrage: Coronavirus beschleunigt Digitalisierung in Kliniken

Die Krankenhäuser wollen nach der "Corona-Krise" noch stärker auf digitale, miteinander vernetzte Prozesse und Methoden setzen. So lauten die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Drees & Sommer-Umfrage, an der 36 Experten aus verschiedenen Klinikverbünden und medizinischen Einrichtungen in Deutschland teilgenommen haben.

© Drees & Sommer 2020

Demnach hält jeder zweite Befragte es für notwendig, die bisherige Digitalisierungsstrategie insgesamt nachzuschärfen. Befürwortet werden dabei insbesondere smarte Diagnosegeräte oder Telemedizin.

"Digitalisierung ist natürlich nicht umsonst zu haben, rechnet sich aber für die Kliniken", sagt Frank Reuther, Partner bei Drees & Sommer. "Im Schnitt reden wir von rund 5 Prozent der Gesamtinvestitionen pro Haus. Gerade bei Klinikbetrieben, die in den roten Zahlen stehen, tun sich die Betreiber mit Investitionen oft schwer." Dabei könnten digitale Lösungen, klug kombiniert und miteinander vernetzt, Abläufe und Diagnosefindungen entscheidend verbessern, so Reuther.

Dies führe nicht nur zu mehr Patientensicherheit, sondern trage auch zur wirtschaftlichen Gesundung bei. In Operationssälen beispielsweise könnten digitale Technologien die Luftsteuerung übernehmen und gleichzeitig die Patientensicherheit durch Keimfreiheit erhöhen.

Durch die damit einhergehende Kontaktvermeidung könne insbesondere für das Personal der Infektionsschutz wirkungsvoll sichergestellt werden. Um derartige Potenziale zu heben, halten es 42 Prozent der Befragten für sinnvoll, Investitionen in IT-Ausstattung und moderne Medizintechnik jetzt zu tätigen.

Flächenbedarf und Flexibilität

Rund Dreiviertel sind der Meinung, dass ein Umbau oder eine Aufrüstung notwendig ist, um Infektionen wirksam zu vermeiden. Für 61 Prozent der Befragten kommen auch sogenannte Hybridflächen in Frage, die bei Bedarf schnell für die Patientenbetreuung umgenutzt werden können. Rund die Hälfte befürwortet außerdem mehr Fläche für die Lagerung von Geräten und Schutzausrüstung sowie größere Vorhaltflächen für die Allgemein- und Interimspflege.

"Um das steigende Patientenaufkommen in den Griff zu bekommen und gleichzeitig die Behandlungsqualität trotz Personalmangel sicherzustellen, können eine ganze Reihe baulich-funktionale Lösungen zum Einsatz kommen", erklärt Prof. Dr. med. Christian K. Lackner, Mediziner und Director der Healthcare Division bei Drees & Sommer.

Dabei gelte: Prozesse, Menschen und Räumlichkeit seien die drei erfolgskritischen Größen, die immer zusammengehörten. Im Fall einer Pandemie wie Corona müssten beispielsweise frühzeitig Wege getrennt, Behandlungsflächen eingerichtet und ressourcensparend digital vernetzt werden. Nur so werde das ohnehin stark beanspruchte Klinikpersonal wirksam entlastet.

Neuanforderung an Kliniken

Eine höhere Vorhaltung von Material und medizinischen Geräten sehen mehr als zwei Drittel für notwendig an. Fast gleichauf liegt der Wunsch nach einer standardisierten „Klinik-Plattform“, etwa um dringend benötigtes Material schneller austauschen zu können. Um einer drohenden Überforderung des Krankenhaussystems bei Pandemiewellen entgegenzuwirken, plädieren 39 Prozent außerdem für mehr Pflegepersonal und eine Spezialisierung der Ausbildung.

"Wenn die Krankenhäuser selbst Teil der Abwehrkette sein sollen, muss die Immobilie den Krankenhausbetrieb reibungslos sicherstellen können. Sie muss flexibel auf neue Anforderungen reagieren und in ihrer Ausstattung dem Leistungsbedarf und Betriebskonzept folgen“, fasst Reuther zusammen. "Die Immobilie ist das zentrale Rückgrat, um Patientenpfade und betriebsinternen Prozesse abzubilden."

Quelle: dreso.com