Mythos Krankenhaus als Kostentreiber der GKV

Nicht die Krankenhäuser treiben die Ausgaben der Krankenkassen

Die Behauptung, Krankenhäuser seien die Hauptursache für die Finanzprobleme der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), ist falsch. Eine Sonderauswertung des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) zeigt: Die Ausgaben für Krankenhäuser steigen seit Jahren langsamer als die Gesamtausgaben der GKV. Die eigentlichen Finanzprobleme liegen auf der Einnahmeseite.

Entwicklung des Krankenhausanteils

Seit dem Jahr 2000 sind die Krankenhausausgaben inflationsbereinigt um rund 54 Prozent gestiegen. Die gesamten GKV-Leistungsausgaben wuchsen im gleichen Zeitraum jedoch um 63 Prozent. Der Anteil der Krankenhäuser an den GKV-Leistungsausgaben sank von 35 auf 33 Prozent.

Einfluss des Pflegebudgets

Auch aktuell bestätigt sich dieser Trend: Zwischen 2020 und 2025 stiegen die Krankenhausausgaben nominal um 36,6 Prozent. Hauptgrund dafür ist die Einführung des politisch gewollten Pflegebudgets. Ohne diesen Effekt läge das Wachstum bei etwa 29 Prozent – deutlich unter dem Anstieg der gesamten GKV-Leistungsausgaben von 35 Prozent.

Die Einnahmenseite als Problem

Die Ursache der Finanzprobleme der GKV liegt vor allem bei den Einnahmen. Die beitragspflichtigen Einnahmen je GKV-Mitglied stiegen seit 2000 real nur um rund fünf Prozent, während das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf um etwa 25 Prozent wuchs. Seit 2019 stagnieren sowohl die Wirtschaftskraft als auch die Finanzierungsbasis der GKV.

Wäre Deutschland zwischen 2022 und 2025 im Durchschnitt der Europäischen Union gewachsen, hätte die GKV rund 42 Milliarden Euro mehr an Beitragseinnahmen erzielt.

Zusätzlich verschärft der Bund die Finanzierungsprobleme, weil er versicherungsfremde Leistungen nicht ausreichend finanziert. Diese Leistungen umfassen etwa 64 Milliarden Euro jährlich. Davon sind knapp 22 Milliarden Euro eindeutig versicherungsfremd und müssten aus Steuermitteln bezahlt werden. Der Bundeszuschuss liegt seit 2017 unverändert bei 14,5 Milliarden Euro. Außerdem gibt es eine Unterfinanzierung der gesundheitlichen Versorgung von Bürgergeldbeziehenden in Höhe von rund 12 Milliarden Euro jährlich.

Wichtige Zahlen und Fakten aus der DKI-Sonderauswertung

  • Krankenhausausgaben stiegen seit 2000 real um 54 Prozent, die gesamten GKV-Leistungsausgaben um 63 Prozent.
  • Der Anteil der Krankenhäuser an den GKV-Leistungsausgaben sank von 35 Prozent (2000) auf 33 Prozent (2025).
  • Ohne Pflegebudget wären die Krankenhausausgaben zwischen 2020 und 2025 nur um 29 Prozent gestiegen (GKV insgesamt: 35 Prozent).
  • Die beitragspflichtigen Einnahmen je GKV-Mitglied stiegen seit 2000 real um rund fünf Prozent, das BIP pro Kopf dagegen um rund 25 Prozent.
  • Bei einer Wirtschaftsentwicklung auf EU-Durchschnittsniveau hätte die GKV zwischen 2022 und 2025 rund 42 Milliarden Euro zusätzliche Beitragseinnahmen erzielt.

Die Sonderauswertung „DKI Data Insight – Entwicklung der GKV-Ausgaben“ basiert auf Daten des Bundesministeriums für Gesundheit und des Statistischen Bundesamtes. Sie analysiert die Entwicklung der GKV-Einnahmen und -Ausgaben von 2000 bis 2025.