Krankenhäuser im Vergleich - Finanzkennzahlen September 2020

Öffentliche Krankenhäuser mit deutlichem Rentabilitätsminus

Obwohl private Kliniken weniger Fördermittel als die Krankenhäuser anderer Trägerschaften in Anspruch nehmen, wirtschaften sie am rentabelsten. Das zeigt laut Studie die um Abschreibungen und Fördermitteleffekte bereinigte EBITDA-Quote. Sie lag 2019 bei den privaten Kliniken bei 7,8 Prozent (2018: 7,6 Prozent) - und damit deutlich vor der Rentabilität anderer Träger. Freigemeinnützige Krankenhäuser verzeichneten einen leichten Rückgang auf 2,6 Prozent (2018: 2,9 Prozent), öffentliche Kliniken dagegen mit -4,4 Prozent deutliche Einbußen (2018: 0,5 Prozent).

Auch die Material- und Personalaufwandsquote ist mit 92,1 Prozent des Umsatzes bei den öffentlichen Kliniken immer noch sehr hoch (2018: 90,5 Prozent). Von 100 Euro bleiben ihnen damit nur acht Euro für Reparaturen, Finanzierungen und andere Ausgaben. Bei freigemeinnützigen Einrichtungen beträgt die Quote 87,5 Prozent (2018: 87 Prozent). Dagegen haushalten private Krankenhäuser am effizientesten: Bei ihnen lag die Quote bei 84,2 Prozent (2018: 83,6 Prozent).

Für den leichten Anstieg sei insbesondere der anhaltende Pflegekräftemangel verantwortlich, denn zusätzlich beschäftigtes Fremdpersonal gilt buchhalterisch als Materialaufwand (2019: 27,2 Prozent, 2018: 27,4 Prozent). Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC Deutschland, sagt: "Auffallend ist, dass unabhängig von der Trägerstruktur der Aufwand für Personal- und Material absolut wie relativ weiter angestiegen ist. Damit stehen alle Kliniken jedes Trägers vor massiven finanziellen Herausforderungen. Eine Revolution der Klinikfinanzierung scheint unausweichlich."

Weitere Ergebnisse der Studie

  • Fördermittel fließen vor allem an öffentliche Kliniken

    Von allen Trägern erhalten öffentliche Krankenhäuser den größten Fördermittelanteil. Bei ihnen liegt die Fördermittelquote bei 67 Prozent, bei freigemeinnützigen Kliniken bei 62 Prozent. Die Quote bei privaten Krankenhäusern liegt sogar nur bei 49 Prozent.

    Private Krankenhäuser setzen vor allem auf eigene Mittel: Mit 15,5 Prozent weisen sie die höchste Investitionsquote im Vergleich zu öffentlichen (13,5 Prozent) und freigemeinnützigen Einrichtungen (12,7 Prozent) auf.
     
  • Private Kliniken haben bessere Strukturen

    Beim Case-Mix-Index (CMI) erreichen private Häuser deutlich bessere Werte, also eine höhere Produktivität, als freigemeinnützige und öffentliche. "Man könnte vermuten, dass die Pflegekräfte dort mehr ausgelastet werden. Angesichts des Fachkräftemangels ist es aber wahrscheinlicher, dass die privaten Kliniken bessere Strukturen haben, die effizienteres Arbeiten erlauben", kommentiert PwC-Expertin Corinna Friedl.

    PwC-Gesundheitsexperte Michael Burkhart ergänzt: "Praktisch substituiert eine moderne Bau- und Dateninfrastruktur menschliche Tätigkeiten. Dadurch werden aber keine Arbeitsplätze abgebaut, sondern der Fachkräftemangel wird etwas gemildert."

Für die Studie hat PwC die Jahresabschlüsse bezogen auf die Jahre 2018 und 2019 von mehr als 100 Kliniken in Deutschland analysiert und die wichtigsten Kennzahlen miteinander verglichen.