Zweite Pandemiewelle: Viele Krankenhausbetten im Norden bleiben leer

Auch in der zweiten Pandemiewelle sind notwendige Behandlungen in den Kliniken zurückgegangen. „Anlass zur Sorge geben die Rückgänge bei Notfällen wie Herzinfarkten und Schlaganfällen, aber auch bei Krebsoperationen“, heißt es aus dem Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO).

Leere Krankenhausbetten auch in der zweiten Pandemiewelle in Schleswig-Holstein

Leere Krankenhausbetten auch in der zweiten Pandemiewelle in Schleswig-Holstein © AOK/hfr

Demnach sank die Zahl der Herzinfarkt-Behandlungen zwischen Oktober 2020 und Januar 2021 um 25 Prozent und damit stärker als in der ersten Pandemiewelle (minus 20 Prozent zwischen März und Mai 2020). Der Einbruch bei den Schlaganfall-Behandlungen betrug in der zweiten Pandemiewelle 12 Prozent, in der ersten Pandemiewelle hatte das Minus noch bei 21 Prozent gelegen.

„Diese erneuten Einbrüche sind Anlass zur Sorge – zumal wir in einer früheren Auswertung für den Qualitätsmonitor 2020 in der ersten Pandemiewelle bereits eine signifikante Steigerung der Sterblichkeit bei den Schlaganfall-Patienten festgestellt haben“, erläutert Jürgen Klauber, Geschäftsführer des WIdO.

„Wiederholt haben Ärzte aus den Krankenhäusern darauf hingewiesen, dass Herzinfarkt-Patienten gehäuft verspätet und mit fortgeschrittener Schädigung des Herzens im Krankenhaus angekommen sind. Wir können angesichts der Zahlen nur den Appell an die Bevölkerung erneuern, bei Notfallsymptomen auch unter den Bedingungen der Pandemie nicht zu zögern, den Notruf zu wählen“.

Starke Fallzahlrückgänge waren den bundesweiten Auswertungen des WIdO zufolge auch bei den Krebsoperationen festzustellen: Bei der operativen Entfernung von Brustkrebs und Darmkrebs zeigten sich in der ersten Pandemiewelle Rückgänge von zehn bzw. 17 Prozent. In der zweiten Pandemiewelle sind Unterschiede zwischen den Indikationen festzustellen: Während es bei den Brustkrebs-OPs in der zweiten Pandemiewelle – wohl auch infolge der Wiederaufnahme des Mammographie-Screenings nach dem Ende der ersten Lockdowns – zu geringeren Fallzahlrückgängen gegenüber 2019 kam (minus fünf Prozent), waren diese bei Darmkrebs-OPs stärker ausgeprägt (minus 20 Prozent). 

„Hier gab es offenbar auch in der zweiten Pandemiewelle eine deutlich reduzierte ambulante Diagnostik“, so Klauber. „Inwieweit bei den Koloskopien Patienten mit Beschwerden bzw. bei der Früherkennung gezögert haben oder ob das Leistungsangebot aus Kapazitätsgründen reduziert wurde, können wir auf Basis der vorliegenden Daten allerdings nicht beantworten.“

Der Blick auf die Entwicklung der Gesamt-Fallzahlen der Krankenhäuser (ohne psychiatrische Kliniken) in Schleswig-Holstein im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahreszeiträumen zeigt: Der Rückgang der Fallzahlen fiel trotz höherer Infektionszahlen in der zweiten Pandemiewelle im Zeitraum Oktober 2020 bis Januar 2021 mit 17,4 Prozent geringer aus als im Frühjahr 2020 (März bis Mai 2020) mit 24,2 Prozent.

Weiterhin hohe Sterblichkeitsrate bei Covid-19-Patienten

Die AOK-Auswertung beleuchtet zudem die Versorgung der stationär behandelten Covid-19-Patienten, bei denen weiterhin eine hohe Sterblichkeitsrate von 14 Prozent zu verzeichnen ist. Das durchschnittliche Alter der Covid-19-Patienten in schleswig-holsteinischen Kliniken liegt bei 65 Jahren. „Experten befürchten aber, dass mit dem erneuten Anstieg der Infektionszahlen und der Verbreitung der neuen Virusvarianten zunehmend jüngere, noch nicht geimpfte Menschen im Krankenhaus und auf den Intensivstationen behandelt werden müssen“, sagt der Vorstandsvorsitzende der AOK-Nordwest, Tom Ackermann.