Studie: 90 Prozent Impfquote für Herdenimmunität nötig

Etwa 90 Prozent der gesamten Bevölkerung müssten geimpft sein, damit sich die grassierende Delta-Variante des Coronavirus selbst dann nicht weiter ausbreiten kann, wenn alle Kontakteinschränkungen aufgehoben würden.

Impfquote wegen Delta-Variante von 90 Prozent für Herdenimmunität nötig

Herdenimmunität erst bei einer Impfquote von 90 Prozent

Das zeigt eine Studie, die das baden-württembergische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration in Auftrag gegeben hat.

Die Impfstoffe, die derzeit verabreicht werden, sind nach Recherchen des Epidemiologen Martin Eichner vom Institut für Klinische Epidemiologie und angewandte Biometrie an der Universität Tübingen alle geeignet und sehr wirksam. Nachgelasssen hat jedoch die Impfstoffwirksamkeit gegen die Delta-Variante.

Der Schutz der Impfung vor einer Infektion mit der Delta-Variante liegt nach Eichners Recherchen für alle Impfstoffe im Bereich von 51 bis 87%:

  • Die Impfstoffwirksamkeit von Biontech ist von 77-95 % auf 54-80 % gefallen.
  • Bei Moderna kam es zu einem Rückgang von 82-100% auf 51-87% und bei AstraZeneca von 51-79% auf 67%.
  • Für Johnson liegen noch keine Zahlen vor. Die Schutzwirkung lag jedoch bereits vor Auftreten der Delta-Variante nur bei 60%.

Für ältere und multimorbide Patienten ist die Wirksamkeit um 9-23 Prozentpunkte niedriger als für jüngere gesunde Patienten, schreiben die Experten.

Für die Beurteilung der Wirksamkeit der Impfung gegen Infektionen mit der Delta-Variante haben die Epidemiologen drei verschiedene Werte verwendet: pessimistische Variante: 60%, mittlere Variante: 70%, optimistische Variante: 80%.

Die Berechnungen ergaben, dass unter der optimistischen Annahme, 86,9% der gesamten Bevölkerung geimpft sein müsste, damit sich die Delta-Variante in einer Bevölkerung, in der 15% von einer Infektion genesen sind, selbst dann nicht weiter ausbreiten kann, wenn alle Kontakteinschränkungen aufgehoben würden. Bei der mittleren Impfwirksamkeit müssten es 93,3% sein und bei der pessimistischen Impfwirksamkeit müsste die Bevölkerung restlos geimpft werden.

Wenn nur 70 bis 80% der Bevölkerung geimpft sind, kann die nötige Herdenimmunität den Berechnungen Eichners zufolge aber trotzdem innerhalb eines Jahres erreicht werden, wenn die 7-Tage-Inzidenz zwischen 400 bis 800 Infektionen pro 100.000 Einwohner liegt.

Auffrischungs-Impfungen nach einer abgeschlossenen Grundimmunisierung könnten helfen, um ältere und multimorbide Patienten vor einer Erkrankung zu schützen und um Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen zu vermindern. In Bezug auf die Übertragungssituation in der Gesamtbevölkerung würden sie aber eher einen marginalen Effekt erzielen.

Gesundeitsminister Manne Lucha schlussfolgerte zu den Ergebnissen der Studie: "Unsere Impfquote von 65,4 Prozent reicht nicht, um die Pandemie zu besiegen. Das merken wir auch in den Krankenhäusern, deren Intensivstationen im Augenblick wieder voll werden mit meist nicht geimpften Corona-Patientinnen und -Patienten."

Zum Vergleich: Die Impfquote in Schleswig-Hostein der vollständig Geimpften liegt aktuell bei 71,5%. Den Spitzenwert erreicht Bremen mit 78,2%.