Rettungsschirm setzt Kliniken unter Druck

Die Kliniken im Norden hatten allein im Januar 2021 infolge der Coronavirus-Pandemie Erlösrückgänge von rund 60 Millionen Euro. Mehr als 50 Millionen davon entfallen auf die stationäre und tagesklinische Behandlung. Dies entspricht einem prozentualen Rückgang von 23 Prozent, wie die Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein (KGSH) ermittelt hat.

Rettungsschirm für Kliniken im Norden: 60 Mio. Euro Erlösrückgang allein im Januar 2021

Rettungsschirm

Selbst wenn die Zahlungen des Bundes aus dem sogenannten Rettungsschirm 2.0 gegengerechnet werden, verbleiben Mindererlöse von 30 Millionen Euro, rechnet der Verband vor. Bezogen auf alle Krankenhäuser würden daher lediglich 40 % der Ausfälle kompensiert. Doch selbst die unzureichenden Ausgleichszahlungen würden bei vielen Krankenhäusern in Kürze auslaufen, da der Inzidenzwert in den meisten Kreisen unterhalb von 70 liege.

Mit dem drohenden Auslaufen der Ausgleichszahlungen steuern die Kliniken jedoch auf ein wirtschaftliches Desaster zu, befürchtet die Landeskrankenhausgesellschaft. Die KGSH fordert daher dringend Nachbesserungen bei den Ausgleichszahlungen und Regelungen für das gesamte Jahr 2021.

„Jetzt muss die Liquidität aller Krankenhäuser durch auskömmliche Ausgleichszahlungen kurzfristig gesichert, Budgetsicherheit für das zweite Krisenjahr 2021 gegeben und weniger Bürokratie und Dokumentation ermöglicht werden. Die Krankenhäuser haben der Politik dafür bereits faire Angebote unterbreitet, so etwa die Berücksichtigung der gezahlten Ausgleichszahlungen bei einem für das Jahr 2021 verpflichtend durchzuführenden Erlösausgleich. Dadurch werden negative Leistungsanreize und Überzahlungen ausgeschlossen,“ fasst der Geschäftsführer, Patrick Reimund, die Positionen der KGSH zusammen.

Die Umfrage der KGSH hat auch ergeben, dass die Krankenhäuser im Norden für das gesamte Jahr 2021 einen Belegungsrückgang von 12 Prozent im Vergleich zum Referenzjahr 2019 erwarten und hohe Erlösausfälle auch in Krankenhäusern entstehen, die nicht in die Ausgleichszahlungen einbezogen sind.

Auch in diesen Kliniken müssen planbare Behandlungen und Eingriffe verschoben werden. Denn zusätzliche Hygienemaßnahmen und COVID-bedingter Ausfall von Personal führen bei allen Krankenhäusern dazu, dass auf lange Sicht kein Regelbetrieb gefahren werden kann. Hinzu kommen Mehrkosten durch die Versorgung von COVID-19 Patient/-innen und Erlösausfälle in anderen Versorgungsbereichen wie etwa Ambulanzen.

Patient/-innen meiden teilweise aus Sorge vor einer Ansteckung die Krankenhäuser. Der Personalaufwand ist durch Hygieneschulungen, Zeitaufwand für Hygienemaßnahmen, Schulung für den Einsatz in intensivmedizinischen Bereichen und durch Krankheit und Ausfallzeiten hoch. Auch in der Psychiatrie entstehen hohe Erlösausfälle, weil z. B. Therapien nur in kleineren Gruppen durchgeführt werden können.

Nachdem im Rahmen des ersten Rettungsschirms alle Krankenhäuser sogenannte Freihaltepauschalen für nicht belegte Betten erhielten, können im Rahmen des zweiten Rettungsschirms aufgrund von restriktiven Kriterien derzeit nur Krankenhäuser Ausgleichszahlungen erhalten, die in Regionen mit hohem Infektionsgeschehen liegen. Daran will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nicht rütteln. Die geltenden Regelungen für Ausgleichszahlungen an Kliniken sollen unverändert und lediglich bis zum 11. April verlängert werden.

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