Nachfrage nach Video-Sprechstunden boomt

Während der Corona-Pandemie hat sich in den vergangenen Wochen viel getan. Insbesondere Videosprechstunden werden sehr viel häufiger genutzt und die Nachfrage auf Seiten der Patienten ist so hoch wie noch nie. Dies zeigen zwei repräsentative Befragungen im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

Grafik: Entwicklung Vidoesprechstunden

So hat aktuell jeder Achte (13 Prozent) bereits eine Video-Sprechstunde mit einem Arzt oder Therapeuten wahrgenommen. Damit hat sich der Wert im Vergleich zum Vorjahr (5 Prozent) fast verdreifacht und ist v.a. innerhalb des Corona-Quartals stark angestiegen: Im Frühjahr 2020 hatten erst 8 Prozent Erfahrungen mit der Video-Sprechstunde gemacht. Und wer einmal in der Videosprechstunde war, will wieder hin: So sagen 12 Prozent, auch künftig wieder eine Video-Sprechstunde nutzen zu wollen, nur 1 Prozent will davon absehen. Grundsätzlich wurde der Online-Arztbesuch dabei von den Studien-Teilnehmern positiv erlebt: 87 Prozent beurteilen ihre Erfahrung gut oder sehr gut.

Sorge vor Corona zählt zu den wichtigsten Gründen

Für viele war das Corona-Virus Ausschlag gebend, um eine Video-Sprechstunde zu nutzen: So sorgen sich 85 Prozent vor einer Infektion mit Covid-19 in der Arztpraxis. 41 Prozent haben Angst, sich im Wartezimmer mit einer anderen Krankheit anzustecken. Mehr als jeder Zweite (54 Prozent) gibt als Grund an, möglichst schnell einen ärztlichen Rat erhalten zu wollen, weitere Gründe sind die Vermeidung von Wartezeit (38 Prozent), Bequemlichkeit (35 Prozent) und bei jedem Vierten (26 Prozent) Neugier.

„Nach 20 Jahren gesundheitspolitischer Lethargie kommt jetzt Schwung in digitale Gesundheitsangebote“, kommentiert Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Zudem: Es dauert nur noch wenige Wochen, dann können Ärzte in Deutschland erstmals Gesundheits-Apps für das Smartphone verschreiben. Anfang 2021 folgt die Einführung der elektronischen Patientenakte, 2022 wird das E-Rezept zur Pflicht.

Nach Ansicht vieler Bundesbürger geschieht dies aber nicht schnell genug. So sagen rund zwei Drittel (65 Prozent) der Menschen in Deutschland, es sei mehr Tempo beim Ausbau digitaler Gesundheitsangebote nötig. 60 Prozent sind der Ansicht, Deutschland liege im Vergleich zu anderen Ländern bei der Digitalisierung des Gesundheitssystems zurück.

Rohleder: „Während der Corona-Krise hat sich gezeigt, wie leicht sich bürokratische Vorgaben abbauen lassen: Ärzte und Therapeuten müssen derzeit keinen komplizierten Antrag für Video-Sprechstunden stellen, es genügt eine einfache Information an die zuständige Stelle. Das hat sich in der Praxis bewährt und wir dürfen jetzt nicht zum Vorkrisenmodus zurückkehren."

Zu den Ergebnissen der Studie