Krankenhausversorgung im ersten Pandemiejahr 2020 flächendeckend gewährleistet

Die stationäre Versorgung in Deutschland konnte im ersten Pandemiejahr 2020 flächendeckend gewährleistet werden – dies zeigt die von Professor Boris Augurzky (RWI) und Professor Reinhardt Busse (TU) durchgeführte Analyse der Leistungsdaten aller deutschen Krankenhäuser.

Patientenversorgung in der Corona-Pandemie durchgängig gewährleistet

Weniger Fälle im Vergleich zum Vorjahr

Über das gesamte Jahr 2020 gesehen sind die Fallzahlen in den somatischen Kliniken um 13 Prozent, in den psychiatrischen Kliniken um elf Prozent zurückgegangen. In der Spitze im Frühjahr 2020 waren es rund 30 Prozent. Im Jahresdurchschnitt waren vier Prozent aller Intensivbetten mit COVID-Patienten belegt, mit zeitlichen und geographischen Spitzen. 

Der durchaus erwünschte Rückgang der Fallzahlen bei den elektiven Operationen erkläre allerdings nur einen Bruchteil des Rückgangs, betont das Projektteam des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und der Technische Universität Berlin (TU). Vielmehr habe das Inanspruchnahmeverhalten der Patienten eine deutlich größere Rolle gespielt als die aktive Absage von Behandlungen durch die Krankenhäuser. Unerwartet gering seien die Fallzahlen zum Beispiel bei Herzinfarkten (Minus 7 Prozent), Schlaganfällen (Minus 4 Prozent) oder Krebsbehandlungen (Minus 5 Prozent) gewesen. 

Die Auswertung der Routinedaten lege aber nahe, dass der Leistungsrückgang bei "dringenden" Behandlungen wesentlich weniger ausgeprägt war als bei "vermeidbaren". Insbesondere bei den ambulant-sensitiven Indikationen sei ein über das Jahr bleibender Einbruch zu verzeichnen.

Starker Fallzahlrückgang in kleineren Kliniken 

Besonders ausgeprägt sei der Rückgang der Fallzahlen (-14%) und insbesondere der Verweildauertage (-15%) in den über 900 Krankenhäusern mit weniger als 300 Betten, deren Betten nur noch zu 62,1% ausgelastet waren. Gleichzeitig ging dort auch die intensivmedizinische Versorgung zurück.

Ausgleichzahlungen konnten Erlösverluste vermeiden

Um ausreichende Kapazitäten für die Versorgung von Corona-Patienten zu ermöglichen und um Einnahmeausfälle aufgrund des Rückgangs der Leistungsmenge zu kompensieren, hat der Bund 10,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Durch diese Ausgleichszahlunge hätten Erlösverluste für Krankenhäuser vermieden werden können. Darüber hinaus zeige die Analyse auch, dass die durch den Beirat im Frühsommer empfohlene Differenzierung die Freihaltepauschale nach der Krankheitsschwere und der Verweildauer die Zielgenauigkeit der Maßnahme verbessert habe.

Rettungsschirm - Beirat empfiehlt Fortsetzung

Die aktuelle Rechtslage sieht vor, dass die Ausgleichszahlungen Ende kommenden Monatsauslaufen. Der Beirat hält es für notwendig, dass die Ausgleichszahlungen über den 31. Mai 2021 hinaus verlängert werden.

Download des Projektberichtes - im Auftrag des BMG

Analysen zum Leistungsgeschehen der Krankenhäuser und zur Ausgleichspauschale in der Corona-Krise