Gesundheitsfachberufe - Bund und Länder planen Reformen

Eine Arbeitsgruppe von Bund und Ländern hat ein Eckpunktepapier für eine Neuordnung der Gesundheitsfachberufe vorgelegt. Danach soll das Schulgeld für die Ausbildung abgeschafft und die Ausbildung angemessen vergütet werden. Zudem sollen unter anderem einzelne Berufsgesetze modernisiert und die Durchlässigkeit innerhalb und zwischen den Berufen erhöht werden.

Gesundheitspflegeberufe - Schüler und Schülerinnen

Insgesamt hat die Bund-Länder-AG  Eckpunkte zu sieben Themenschwerpunkten erarbeitet:

  1.  Abschaffung des Schulgeldes

    Um den Zugang zu den Ausbildungen zu erleichtern, sollen das Schulgeld oder vergleichbare Geldzahlungen für die Ausbildung abgeschafft werden. Ein entsprechendes Verbot soll in den entsprechenden Berufsgesetzen aufgenommen werden.
     
  2. Modernisierung der Berufsgesetze

    Um die veränderte Versorgungsstrukturen und die durch gesellschaftliche Prozesse entstandenen neuen Anforderungen angemessen abbilden zu können, sollen die Berufsgesetze modernisiert werden. Dabei sollen insbesondere folgende Punkte berücksichtigt werden:
     
    • ​​​Kompetenzorientiere Ausgestaltung, die zu einer evidenzbasierten Entscheidungsfindung führen kann und entsprechende Ausbildungsziele enthält
       
    • Definierte Qualitätsanforderungen an Schulleitungen (Hochschulstudium auf Masterniveau), Lehrkräfte (Qualifikation im Bereich Pädagogik), Ausbildungsstätten (ausreichende Anzahl an Lehrkräften) und die Praxisanleitenden (Berufserfahrung und berufspädagogische Zusatzqualifikation)
       
    • Schaffung der Möglichkeit der Teilzeitausbildung, Aufnahme einer Mindest- und Maximalausbildungsdauer
       
    • Ausreichende deutsche Sprachkenntnisse als Zugangsvoraussetzung Regelungen zur Erhebung von Daten für statistische Zwecke
       
    • Prüfung auf Einbindung bestimmter (Fortbildungs-)Zertifikate Prüfung der Aufnahme einer Mitwirkungspflicht der Schulen bei Anerkennungsverfahren
       
    • Prüfung von Regelungen bei der Anrechnung von Fehlzeiten
       
  3. Durchlässigkeit

    Um die Durchlässigkeit sowohl innerhalb der Berufe als auch untereinander zu erhöhen, sollen Möglichkeiten für die Anrechnung von abgeschlossenen Ausbildungen und Ausbildungsteilen aufgenommen werden. Außerdem sollen die Länder prüfen, ob bestehende landesrechtliche Regelungen zum Hochschulzugang für beruflich qualifizierte Bewerber ohne Hochschulzugangsberechtigung ausreichen.
     
  4. Akademisierung und Direktzugang

    Es soll für jeden Beruf separat geprüft werden, inwiefern eine Akademisierung der jeweiligen Ausbildung infrage kommt. Die Bund-Länder-AG sieht das Potenzial für eine Vollakademisierung vor allem im Bereich der Logopädieausbildung. Eine Teilakademisierung, wie sie zur Zeit in der Pflegeausbildung angewendet wird, bewertet die Bund-Länder-AG für die Physio- und Ergotherapieausbildung positiv.

    Darüber hinaus soll auch geprüft werden, inwiefern ein Direktzugang (Behandlung ohne vorherige ärztliche Verordnung) für die Gesundheitsfachberufe infrage kommt. Dieser könnte insbesondere für die Physio- und Ergotherapie sowie die Logopädie und Podologie in Betracht kommen.
     
  5. Ausbildungsvergütung

    Bislang ist eine Ausbildungsvergütung in den Berufsgesetzen nicht ausdrücklich vorgesehen. Um die Attraktivität der Berufe zu erhöhen, soll eine Regelung in den jeweiligen Berufsgesetzen aufgenommen werden, die eine angemessene Ausbildungsvergütung als Bestandteil des Ausbildungsvertrages definiert.
     
  6. Neu zu regelnde Berufe auf Assistenz- oder Helferniveau

    Aktuell sieht die Bund-Länder-AG keinen Bedarf an weiteren Ausbildungen auf Assistenz- oder Helferniveau in den jeweiligen Berufen. Jedoch soll geprüft werden, ob ggf. einzelne neu zu schaffende Berufe zu einer verbesserten Versorgung beitragen können.
     
  7. Finanzierung der Ausbildungen

    Für die Finanzierung der staatlichen (Hoch-)Schulen sind grundsätzlich die Länder verantwortlich. Private Ausbildungsstätten müssen von den Trägern finanziert werden. Die Kosten der Ausbildung können jedoch über das KHG refinanziert werden, wenn die ausgebildeten Berufe in § 2 Nr. 1a KHG aufgeführt sind und die Ausbildungsstätte mit einem Krankenhaus verbunden ist.

    Im Zusammenhang mit den in den Eckpunkten enthaltenen Regelungen sind Kostensteigerungen zu erwarten, deren Höhe noch zu ermitteln ist. In diesem Zusammenhang kündigen die Mitglieder der Bund-Länder-AG zahlreiche Prüfungen an.

Nach einer weiteren Abstimmungsrunde im März sollen die Eckpunkte des Gesamtkonzeptes veröffentlicht werden. 

Bundesrechtlich geregelte Gesundheitsfachberufe

Diätassistentin und Diätassistent
Ergotherapeutin und Ergotherapeut
Logopädin und Logopäde
Masseurin, medizinische Bademeisterin und Masseur,
medizinischer Bademeister
Medizinisch-technische Assistentin für
Funktionsdiagnostik und Medizinisch-technischer
Assistent für Funktionsdiagnostik
Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin und
Medizinisch-technischer Laboratoriumsassistent
Medizinisch-technische Radiologieassistentin und
Medizinisch-technischer Radiologieassistent
Orthoptistin und Orthoptist
Physiotherapeutin und Physiotherapeut
Podologin und Podologe